Gemeinsam. Stärker.

Das Rosenheimer Modell zur Berechnung des Unterhalts nach der Trennung.

Methodik des Rosenheimer Modells 

Drei Grundprinzipien des Modells

  1. Betreuung ist Recht und Pflicht beider Elternteile: der Betreuungsplan
  2. Beide Eltern stehen gleichermaßen in der finanziellen Verantwortung
  3. Ein Mehraufwand in der Betreuung wird kompensiert

1. Betreuung ist Recht und Pflicht beider Elternteile

Betreuungsplan

Im Rosenheimer Modell erstellen beide Elternteile gleichberechtigt und auf Augenhöhe einen Lückenlosen Betreuungsplan von 14 Tagen für alle Tage der Woche. Diese zwei Wochen werden auf das ganze Schuljahr hochgerechnet. Dieser berücksichtigt auch die jeweiligen beruflichen Rahmenbedingungen und Wünsche beider Eltern. 

Daneben werden auch die Betreuungstage in den Schulferien verteilt. 

Es wird wohl nur in den wenigsten Fällen möglich sein, eine exakt hälftige Verteilung der Betreuungszeiten zu erreichen. Dennoch ist es grundsätzlich Aufgabe beider Eltern, sich um eine möglichst paritätische Verteilung der Betreuungszeiten zu bemühen.

Beispiele für unterschiedliche Betreuungspläne: 

Jede Trennungsfamilie hat völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen für die Betreuung der eigenen Kinder. Es gibt deshalb wohl so viele unterschiedliche Betreuungspläne wie es Familien gibt.

2. Beide Eltern stehen in der finanziellen Verantwortung

Im Rosenheimer Modell stehen beide Eltern in der finanziellen Verantwortung. Je nach Betreuungsleistung und finanzieller Leistungsfähigkeit errechnet sich der jeweilige Beitrag an den Kosten der Kinder (Kindesunterhalt). rnehmen.

Folgende individuellen Daten werden im Rosenheimer Modell benötigt:


Betreuungsanteil (ergibt sich aus Betreuungsplan)



Vollzeit Netto-Einkommen






Im folgenden wird der Rechenweg im Rosenheimer Modell Anhand eines Beispiels in kleinen Schritten erläutert

Beispiel: Die Familie hat ein Kind, 7 Jahre alt.


Elternteil A

 „Kasse“

Elternteil B

Betreuungsquote

34 %


66%

Unterhaltsquote (reziprok zur Betreuungsquote)

66%


34%

Vollzeiteinkommen netto

2500 €


1800 €

Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle

356 €


317 €

Prozentualer Anteil Unterhalt nach Betreuungsquote

235 €


108 €

Summe Unterhalt von beiden Eltern


343 €  


Im Rosenheimer Modell wird zunächst mit Hilfe eines Betreuungsplans die jeweilige Betreuungsquote beider Eltern ermittelt. Reziprok (indirekt proportional) dazu ergibt sich die finanzielle Pflicht. Wer beispielsweise 34% betreut, muss 66% bezahlen. 

Dann wird der unterschiedlichen finanziellen Leistungsfähigkeit Rechnung getragen. Als Bemessungsgrundlage gilt das theoretische Netto-Einkommen, das ein Elternteil verdienen würde, wenn er Vollzeit arbeiten würde. Auf dieser Grundlage wird für jeden Elternteil auf der Düsseldorfer Tabelle ein Zahlbetrag ermittelt. 

In der heutigen Rechtsprechung wird diese Berechnung bei nur einem Elternteil („Unterhalts“-Elternteil), im Rosenheimer Modell bei beiden Elternteilen vorgenommen.

Im nächsten Schritt wird die jeweilige Betreuungsquote auf den jeweiligen Betrag jedes Elternteils der Düsseldorfer Tabelle angewandt. Wer beispielsweise eine Unterhaltspflicht von 66% (Betreuung = 34%) zu erfüllen hat, muss 66% von seinem jeweiligen Zahlbetrag der Düsseldorfer Tabelle als Kindesunterhalt aufbringen. Damit stehen in diesem Beispiel dem Kind 66% des Unterhalts des einen Elternteils und 34% des anderen zur Verfügung - in der Summe stets 100%.

Nachdem im Beispiel für Elternteil A eine finanzielle Pflicht von 66% (resultierend aus einem Betreuungsanteil von 34%) besteht, liegt seine tatsächlicher Unterhaltspflicht bei 235 €. Dies ergibt sich aus der Formel 356 € x 66% = 235 €. Analog dazu hat Elternteil B eine Unterhaltspflicht von 108 €. In der Summe stehen dem Kind also 235 € + 108 € = 343 € zur Verfügung.


Auch besteht Einigkeit darüber, dass sich die Unterhaltspflichten beider Elternteile, wenn sie beide etwa 50% betreuen, weitgehend gegenseitig aufheben. In diesen Fällen schuldet grundsätzlich kein Haushalt dem anderen Kindesunterhalt.

Im Rosenheimer Modell wird die Unterhaltspflicht jedes Elternteils linear und indirekt proportional zum Betreuungsanteil berechnet.

 

Feste monatliche Kosten und staatliche Unterstützungen

Viele Kosten der Kinder fallen regelmäßig an. Dazu gehören z.B. der Klavierunterricht, die Mittagsbetreuung, der Kindergarten, der Sportverein oder etwa die Tanzstunden. Diese Kosten können in der Praxis jeweils nur vom Konto eines Elternteils abgebucht werden. Gleiches gilt für staatliche Zuschüsse wie etwa das Kindergeld. Auch dieses wird in der Realität ungeteilt nur auf das Konto eines Elternteils ausgezahlt. Hier schafft das Rosenheimer Modell einen Ausgleich, denn darf es darf für die Belastung oder Entlastung beider Haushalte keine Rolle spielen, über welchen Haushalt diese monatlichen Posten verbucht werden. 

Das Rosenheimer Modell geht deshalb von der Vorstellung aus, dass das Geld für das Leben des Kindes (Unterhalt beider Eltern und die staatlichen Zuschüsse), sowie die Kosten im Alltag des Kindes, über eine fiktive gemeinsame Kasse verbucht werden. 

Feste Kosten werden deshalb rechnerisch zunächst der Summe des gemeinsamen Kindesunterhalts abgezogen. Staatliche Zuschüsse (z.B. Kindergeld) dazu gerechnet.

Im Beispiel könnte diese Berechnung etwa folgendermaßen aussehen:

Summe Unterhalt beider Eltern („Kasse“ des Kindes )


343 €




Elternteil A

„Kasse“

Elternteil B


regelmäßige Kosten des Kindes

 

 

- 70 €

 

 

 

 

- 30 €

- 70 €

Klavierunterricht

Sportverein

Mittagsbetreuung

Summe der Kosten für das Kind


- 170 €



regelmäßige staatliche Zuschüsse für das Kind


 

+ 192 €

Kindergeld

Summe der Zuschüsse für das Kind


+ 192 €



Summe nach Berücksichtigung der Kosten und der Zuschüsse


365 €



Es befinden sich nach der Berücksichtigung aller regelmäßig anfallenden Kosten und Zuschüsse noch 365 € in der „Kasse“.

Nun wird der Inhalt der „Kasse“ auf beide Haushalte nach Betreuungsquote verteilt. Dabei werden die tatsächlich bereits bezahlten Posten jedes Elternteils und die tatsächlich erhaltenen Zuschüsse berücksichtigt.

Im Beispiel wäre die Rechnung folgendermaßen:

Kindesunterhalt nach Kosten und Zuschüsse


365 €



Elternteil A

„Kasse“

Elternteil B

Betreuungsquote

34 %


66%

Anspruch auf Kindesunterhalt aus der „Kasse“ nach Betreuungsquote 

124 €


241 €

Berücksichtigung der tatsächlich bezahlten regelmäßigen Kosten

Klavierunterricht

Sportverein

Mittagsbetreuung


+ 70 €




+ 30 €

+ 70 €

Berücksichtigung der bereits erhaltenen staatlichen Unterstützungen

Kindergeld




- 192 €

Summe Anspruch auf Kindesunterhalt aus der „Kasse“

+ 194 €


+ 149 €

Nun muss natürlich noch berücksichtigt werden, wie viel Geld jeder Elternteil aufgrund seines Einkommens und des Betreuungsanteils in die gemeinsame „Kasse“ einbezahlen muss. Die Schlussrechnung sieht folgendermaßen aus:


Elternteil A

Elternteil B

Unterhaltspflicht in der Düsseldorfer Tabelle (nach Betreuungsanteil)

-235 €

-108 €

Anspruch auf Kindesunterhalt aus der „Kasse“

+194 €

+149 €

Endgültige Unterhaltspflicht/Anspruch (Differenz)

- 41 €

+ 41 €

Elternteil A überweist also Elternteil B zukünftig jeden Monat 41 €. 

Die Unterhaltszahlungen alleine geben jedoch nicht die wirkliche finanzielle Belastung beider Haushalte wieder. Die tatsächliche finanzielle Belastungssituation für beide Haushalte im Beispiel stellt sich folgendermaßen dar:

 

Elternteil A

Elternteil B

Unterhalt

- 41 €

+ 41 €

Regelmäßige Kosten

Klavierunterricht

Sportverein

Mittagsbetreuung


- 70 €





- 30 €

- 70 €

 

Staatliche Unterstützung

Kindergeld



+ 192 €

Finanzielle Gesamtbelastung jedes Haushalts

- 111 €

+ 133 €

 

3. Ein Mehraufwand in der Betreuung wird kompensiert

Im Rosenheimer Modell wird der zusätzliche Betreuungsaufwand, den ein Elternteil leisten muss, weil der andere Elternteil weniger als die Hälfte betreut, grundsätzlich finanziell berücksichtigt.

Als Richtschnur gilt die Abweichung von der 50%-Marke. Im Rosenheimer Modell wird angenommen, dass der Elternteil, der weniger betreut, stattdessen mehr seinem Erwerbsleben nachgehen und dementsprechend mehr Erwerbseinkommen generieren kann. Im Beispiel liegt diese Abweichung bei 16%.

Es wäre demnach nur fair, wenn dann grundsätzlich auch 16% von seinem relevanten Einkommen für den Ausgleich des höheren Betreuungsaufwands des anderen Elternteils herangezogen würde. Als relevantes Einkommen gilt sein Vollzeit-Einkommen (2.500 €) multipliziert mit seiner persönlichen Betreuungsquote (34%). Von diesem Betrag müsste der mehr betreuende Elternteil die Hälfte bekommen. Die Hälfte deswegen, weil der weniger betreuende Elternteil ja selbst auch seinem Erwerbsleben nachkommen musste, um dieses Geld zu verdienen. 

Der Haushalt B hat also im Beispiel einen Anspruch auf 8% des relevanten Nettoeinkommens nach Betreuungsquote.


Elternteil A

Vollzeit netto

2500 €

Finanzielle Pflicht reziprok zur Betreuungsquote

66%

Netto-Einkommen nach Quote finanzieller Pflicht (relevantes Einkommen)

1650 €

Abweichung von 50%-Marke der Betreuung

16%

Hälfte von Abweichung

8%

Ausgleichsbetrag für Mehrbelastung von Elternteil B (8% von 1.650 €)

132 €

 

Berücksichtigt man den Ausgleichsbetrag für den erhöhten Betreuungsaufwand, dann ergibt sich folgende Schlussrechnung:



Elternteil A

Elternteil B

Unterhalt

- 41 €

+ 41 €

Regelmäßige Kosten

Klavierunterricht

Sportverein

Mittagsbetreuung


- 70 €





- 30 €

- 70 €

Staatliche Unterstützung

Kindergeld



+ 192 €

Ausgleich Betreuungsmehraufwand

- 132 €

+ 132 €

Finanzielle Gesamtbelastung jedes Haushalts

- 243 €

+ 265 €