Gemeinsam. Stärker.

Das Rosenheimer Modell zur Berechnung des Unterhalts nach der Trennung.

Das Rosenheimer Modell: "beide betreuen, beide bezahlen".

Die bisherige Aufteilung der Eltern in einen „betreuenden“ und einen „zahlenden“ Elternteil ist nicht mehr zeitgemäß und grundsätzlich auch nicht mit dem Gleichbehandlungsprinzip unseres demokratischen Staates vereinbar. 

Das Rosenheimer Modell benötigt diese Aufteilung der Eltern in zwei unterschiedliche Rollen nicht.


Betreuung: Recht und Pflicht

Das Modell basiert auf der Erkenntnis, dass beide Eltern für die Entwicklung des Kindes gleich bedeutsam sind. Ziel muss es sein, nicht nur für die intakte Familie sondern besonders auch für die Trennungsfamilie eine Regelung zu finden, in der das Kind möglichst viel Alltagsnähe mit beiden Eltern erleben und die Ressourcen von beiden Eltern optimal nutzen kann. 

Das Rosenheimer Modell setzt konsequent das verfassungsmässige Recht und die Pflicht beider Eltern auf Erziehung ihrer Kinder um. Dabei begegnen sich die Eltern stets auf Augenhöhe und als gleichwertige Verhandlungspartner.


Gleiche finanzielle Verantwortung für beide Eltern

Durch den Gesellschaftswandel sind heute normalerweise beide Elternteile erwerbstätig und beide können ihren Teil der finanziellen Verantwortung in der Familie übernehmen. 


 

 

Art. 3 Grundgesetz:
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, (...) benachteiligt oder bevorzugt werden. (...)

Art. 6 Grundgesetz: 
(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. (...)
(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.



Im heutigen Gesetz ist keine Fortsetzung der bisher gelebten Parität nach der Trennung vorgesehen


 



Verlierer und Profiteure im derzeitigen Einzelresidenzmodell („einer betreut, einer bezahlt“)

Im derzeitigen Leitmodell im Familienrecht („einer betreut, einer bezahlt“) kommt es für moderne Familien zu vorhersehbaren Ungerechtigkeiten. Es gibt Verlierer und Profiteure.

Verlierer:

  • Durch die Betreuung überlastete Elternteile.
  • Finanziell überlastete Elternteile.
  • Elternteile, die den Alltag und damit das Familienleben mit ihren Kindern verlieren, weil der andere Elternteil sie aus der Familie ausgrenzen kann.
  • Kinder, die den Alltag und das Familienleben mit einem Elternteil verlieren.
  • Kinder, die in prekären finanziellen Verhältnissen aufwachsen müssen. 
  • Dem Staat entstehen enorme Kosten.
  • Viel Leid und hohe Kosten für viele Familien durch vorhersehbaren Streit aufgrund der Defizite im Familienrecht.

Profiteure:

  • Elternteile, die sich ihrer Pflicht zur Betreuung entziehen.
  • Elternteile, die das Familienleben alleinig für sich beanspruchen und den anderen Elternteil ausgrenzen.
  • Elternteile, die sich der finanziellen Verantwortung entziehen.
  • Elternteile, die die staatliche Unterstützung für ihren Haushalt alleinig beanspruchen.




Drei Säulen des Rosenheimer Modells: Betreuungsplan – proportionale Unterhaltspflicht – Erwerbsausfall

Das Rosenheimer Modell hingegen setzt das Recht und die Pflicht zur Betreuung, sowie den Gleichbehandlungsgrundsatz konsequent um. Es behandelt beide Elternteile auf Augenhöhe. Eine möglichst paritätische Aufteilung der Elternverantwortung – die Betreuung und die finanzielle Verantwortung – sind stets Ziel und Ausgangspunkt für beide Elternteile.

  • Das Modell sieht als ersten Schritt einen gemeinsamen Betreuungsplan vor. Aus diesem ermittelt sich die Betreuungsquote jedes Elternteils.
  • In einem zweiten Schritt wird die finanzielle Verantwortung beider Elternteile abhängig vom Erwerbseinkommen und der Betreuungsquote bestimmt. 
  • Im dritten Schritt wird ein eventueller Erwerbsausfall, aufgrund einer deutlich höheren Betreuungslast, ausgeglichen




Anreize zur Betreuung und zur Erwerbstätigkeit

Darüber hinaus enthält das Rosenheimer Modell auch gezielte Anreize für beide Elternteile, sowohl betreuen als auch der eigenen Erwerbstätigkeit nachgehen zu wollen. Damit werden die bisherigen Verlierer des Familienrechts besser unterstützt und geschützt und die derzeitigen Profiteure stärker in die Pflicht genommen. Durch eine gerechtere Verteilung der Rechte und Pflichten und das damit insgesamt gesteigerte Erwerbseinkommen ist das Gesamteinkommen der Trennungsfamilien höher. Damit wird auch der Staat entlastet.


Fußnoten

1 Statistisches Bundesamt, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit - Haushalte und Familien - Ergebnisse des Mikrozensus 2013

2 Frau Prof. Dr. jur. Hildegund Sünderhauf, „Vorurteile gegen das Wechselmodell: Was stimmt, was nicht? - Argumente in der Rechtsprechung und Erkenntnisse aus der psycholo- gischen Forschung (Teil I und II)“, in FamRB-Beratungspraxis, 9/2013 und 10/2013. http://www.famrb.de/media/Suenderhauf_FamRB.PDF

3 IAB Forschungsbericht, Aktuelle Ergebnisse aus der Projektarbeit des Instituts für Ar- beitsmarkt- und Berufsforschung: Alleinerziehende Mütter im Bereich des SGB II - Eine Synopse empirischer Befunde aus der IAB-Forschung, S. 8, „Vier von zehn Alleinerziehen- den in Deutschland sind auf Unterstützungsleistungen der Grundsicherung für Arbeitsu- chende angewiesen“

4 Eine Zusammenfassung von 45 Studien zum Wechselmodell von 1977 bis 2012 findet sich bei Frau Prof. Dr. jur. Hildegund Sünderhauf, Wechselmodell: Psychologie – Recht – Praxis, 2013, 917 Seiten, Springer Verlag. ISBN 978-3-531-18340-4. eBook: ISBN 978-3- 531-19019-8.

5 Bergström et. al. (2013), Living in two homes – a Swedish national survey of wellbeing in 12 and 15 year olds with joint physical custody, Tabelle S. 5. Die Jugendlichen in einer alternierenden Obhut sind physisch und psychisch deutlich gesünder als andere Trennungs- Kinder.

6 Deutschland hinkt anderen westlichen Ländern hinterher. Siehe Handout zur Fachtagung “Paritätische Doppelresidenz” am 22. September 2014 in der Universität Mainz.

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